Das Modellieren — dem Ton Form geben

Ausgehend von 10 kg schweren Tonblöcken beginne ich mit dem Modellieren — der kreativsten Phase. Ich liebe runde, weiche Formen, die man gerne berühren möchte. Mein Ziel ist es nicht, ein Tier naturgetreu nachzubilden, sondern das auszudrücken, was es ausmacht: seine Kraft, seine Sanftheit, seine Gelassenheit… Ich möchte immer ein Gefühl vermitteln und es mit den Menschen teilen, die meine Skulpturen betrachten.

Je nach Größe, Form und Gleichgewicht erfordert jedes Werk unterschiedliche Techniken. Ich muss voraussehen, wie sich der Ton verhalten wird, die Form abstützen und bestimmte Stellen verstärken. Auch während des Trocknens behalte ich die Skulptur genau im Blick: Schon der kleinste Riss kann beim Brennen zum Bruch führen.

Das Aushöhlen — die Skulptur leichter machen

Nach dem Modellieren höhle ich die Skulptur aus. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Der Ton muss trocken genug sein, um seine Form zu behalten, aber noch weich genug, um ihn bearbeiten zu können. In diesem empfindlichen Arbeitsschritt entferne ich den Ton im Inneren der Skulptur und achte darauf, dass die Luft zirkulieren kann. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann ein Werk beim Brennen dennoch zerbrechen.

Das Trocknen — dem Ton Zeit geben

Vor dem Schleifen lasse ich die Skulptur trocknen und fest werden. Wie lange das dauert, hängt von der Größe des Werks und den Bedingungen im Atelier ab. Diese Wartezeit ist unerlässlich, bevor ich die Feinheiten ausarbeiten kann. Dabei muss ich stets bedenken, dass ungebrannter Ton empfindlich bleibt.

Das Schleifen — Formen und Details verfeinern

Sobald der Ton ausreichend getrocknet ist, bearbeite ich die Skulptur mit Schleifpapier verschiedener Körnungen und unterschiedlichen Werkzeugen. So verfeinere ich die Formen und Details. Die Skulptur erhält ihre glatte Oberfläche und ihre endgültige Form. Dabei ist große Vorsicht geboten, denn ungebrannter Ton bleibt zerbrechlich. Nach dem Brennen sind Korrekturen wesentlich schwieriger.

Der erste Brand — der Schrühbrand

Wenn die Skulptur nach etwa drei Wochen vollständig getrocknet ist, kann sie zum ersten Mal gebrannt werden. Dabei verändert der Ton seine Farbe und wird fest. Dieser erste Brand wird Schrühbrand genannt. Je nach verwendeter Tonsorte liegt die Brenntemperatur bei etwa 1.000 °C. Die Temperatur wird sehr langsam und mit mehreren Haltephasen erhöht.

Das Glasieren — die Farbe vorbereiten

Nach dem Abkühlen trage ich die Glasur auf. Ich suche nach einer Glasur, die beim Brennen fließt und die Skulptur großzügig umhüllt. Beim Auftragen muss ich voraussehen, wie sie sich über die Rundungen und in den Vertiefungen verteilen wird. Erfahrung und zahlreiche Versuche helfen mir, diese Arbeit zu verfeinern. Dennoch bleibt jeder Brand ein Stück weit eine Überraschung.

Der zweite Brand — Farbe und Glanz kommen zum Vorschein

Die Skulptur kommt für einen zweiten Brand zurück in den Ofen. Dabei schmilzt die Glasur und entfaltet ihre Farbe und ihren Glanz. Die Brennkurven und die verschiedenen Haltephasen sind das Ergebnis zahlreicher Versuche. Das gewünschte Ergebnis zu erzielen, ist immer eine große Freude. Anschließend lasse ich die Skulptur auf Raumtemperatur abkühlen, bevor ich sie aus dem Ofen nehme.

Die letzten Handgriffe — der letzte Schliff

Nach dem Abkühlen schleife ich unerwünschte Glasurtropfen an der Unterseite der Skulptur ab. Anschließend klebe ich Filz unter den Sockel, um Möbel zu schützen. Zum Schluss messe ich die Skulptur aus und erstelle ihr Werkdatenblatt. Da ich ohne Formen arbeite, ist jede Skulptur ein Unikat und unterscheidet sich von allen anderen.

Eine Skulptur zu schaffen bedeutet, all diese Arbeitsschritte zu durchlaufen. Bis zuletzt besteht das Risiko, dass etwas zerbricht oder die Glasur anders ausfällt als erwartet. Jedes Werk trägt die Spuren dieser Arbeit und dieser Handgriffe. Das macht auch seine Einzigartigkeit und seinen Wert aus.

Ein Besuch im Atelier